Sonntag, Dezember 04, 2005

Das war New Plymouth, 01.10.05-08.12.05

Ich blicke nun auf 10 Wochen New Plymouth zurück. In dieser Zeit habe ich viel gelernt, wobei wohl mehr fürs Leben als für die Medizin. So durfte ich am anderen Ende der Welt neue Freundschaften schliessen. Musste immer wieder staunen, wie ähnlich Olivia und ich uns sind. Esther und ich haben wohl zusammen „GZSZ“ (für alle, die nicht so oft auf RTL irgendwelche Soaps schauen: Gute Zeiten, schlechte Zeiten) durchgemacht und sind uns dabei ziemlich nahe gekommen. Irgendwie haben wir es immer geschafft, unser Lieblingsessen (20x10x1cm-Steak mit Salat) zu geniessen.
Aber nicht nur meine Mädels haben zum aufregenden Hostel-Leben beigetragen: Nachdem ich gehört hatte, dass man hier zum Teil Psychiatrie-Patienten zwischenlagere, wurde mir so einiges klar. Aber auch mit denen verstand ich mich ziemlich gut (woher das kommt, sei dahin gestellt). So hat sich Timati immer riesig gefreut, wenn er mich im TV-Raum antraf und Hideyoshi wollte unbedingt noch ein riesiges Essen kochen bevor ich wegfuhr. Wir haben auch alle zusammen den ersten Advent mit Bratäpfeln, Vanille-Sauce, Muffins und Cookies zelebriert, um bei diesem Sommerwetter wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung zu empfinden.
Auch medizinisch durfte bzw. musste ich erkennen, dass das hier doch ein bisschen anders läuft. Dass man nicht bei jeder OP einen Mundschutz trägt, war ja noch das eine, aber dass die Wände auf der Intensivstation nicht röntgendicht sind, entging völlig meinem Verständnis. Trotzdem hat mir diese Zeit hier auch für meine spätere „Karriere“ etwas gebracht: Ich habe wohl noch nie in so kurzer Zeit so viele spezielle und seltene Krankheiten gesehen wie hier. Auch durfte ich Seiten der hiesigen Arzt-Tätigkeiten entdecken, die ich in der Schweiz vermisse. So nehmen sich die Ärzte viel mehr Zeit, auf den Patienten einzugehen, man redet nicht nur über das aktuelle medizinische Problem, sondern interessiert sich auch viel mehr für das soziale Umfeld und das psychische Wohlbefinden des Patienten. Leider wird das dann manchmal auch ein bisschen überbewertet, so dass eigentliche physische Problem ein bisschen verloren geht... Alles geht hier ein bisschen „easier“ zu und her.

Ich hatte (das erwarteten sie alle von mir!) auch die Möglichkeit, die Umgebung und das Land näher kennenzulernen. Dabei war ich am Back Beach, wo man ab und zu (um nicht zu sagen: immer) einen Surfer zu Gesicht bekam, am Coastal Walkway, der Tag und Nacht eine Attraktion ist, und im Pukekura Park, der neben vielen riesigen Bäumen und exotischen Pflanzen auch einen kleinen Zoo beherbergt. Dabei wieder einmal ein hoch auf die Digitalcamera, die mir erlaubte, 1000e von Photos zu machen, die ich jeweils abends auf meinem PowerBook anschauen und aussortieren konnte.
Ich wurde dann auch in meiner drittletzten Nacht hier nicht von ein bisschen Action verschont: Um 4:00am wachte ich auf, weil irgendein undefinierbares Surren zu hören war. Musste mich wohl gerade in tiefstem Tiefschlaf befunden haben. Als ich nämlich aus dem Fenster schaute, waren da ganz viele farbige Lichter *nein, es war nicht die Weihnachtsbeläuchtung mit der singenden Heilsarmee*. Erst dann realisierte ich, dass das ein Feueralarm war und die farbigen Männer draussen die NZ-Firemen darstellten. Wenigstens war ich schon einigermassen klar im Kopf, so dass ich mir mein Handy und meinen Pass (hättet Ihr wohl nicht gedacht, dass ich so smart bin, die zwei wichtigsten Dinger mitzunehmen, he?) schnappte und mit allen anderen nach draussen ging.
Als mir dann einer unserer Retter im Plastikanzug sagte, ich solle zurück ins Bett gehen, wurde ich in der Annahme bestätigt, dass es sich um eine reizende Übung für die Herren gehandelt hatte... Kein Wunder hatte ich zuerst nicht erkannt, dass es die Feuerwehr war, sehen die doch auf den Kalendern der „NY Firemen“ immer ein bisschen leichter bekleidet aus;-)

Ich werde am 8.12. zu Olivia nach Auckland fahren, am 9.12. Gäbe am Flughafen abholen und dann mit ihm zuerst das Weekend bei Olivia verbringen, um dann 2.5 Wochen auf der Nordinsel mit ihm herum zu reisen. Weihnachten werde ich auch unter der Sonne der südlichen Hemisphäre feiern, wobei man hier statt der Tanne den Pohutukawa den „Weihnachtsbaum“ nennt.Vielleicht schaffe ich es dann ab und zu meine Homepage zu aktualisieren und sonst seht Ihr dann das Ergebnis meiner Rundreise darauf, wenn ich schon wieder in der Schweiz bin.
Tata
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der Mt.Taranaki einmal von weit entfernt
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1.Advent im Hostel (links v. vorne n. hinten: Hideyoshi, Damien& Nadine
rechts v. vorne n. hinten: David, Esther, Gaby & Doro)
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schöne Zeiten mit meinen deutschen Mädels: Gaby, Doro & Esther

Blick vom Mt. Paritutu aus nach Norden: New Plymouth City
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Blick vom Mt. Paritutu aus nach Süden: Back Beach
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Maori-Steinskulptur in New Plymouth
See im Pukekura Park

Giant Ginkgo im Pukekura Park

Puke Ariki (Visitors Center & Library) by Night

"Wind Wand" am Coastal Walkway bei Sonnenuntergang

Mond vs "Wind Wand"

eine alte Bekannte: Olivia

Pohutukawa Christmas Tree

einer der Gründe, den mühsamen Weg nach Back Beach auf sich zu nehmen...

der Abschied am Samstag fiel v.a. mir schwer...

meine Lebensretter, die "NZ-Firemen"

das war New Plymouth








1 Comments:

Blogger Sisyphos said...

"Wenigstens war ich schon einigermassen klar im Kopf, so dass ich mir mein Handy und meinen Pass (hättet Ihr wohl nicht gedacht, dass ich so smart bin, die zwei wichtigsten Dinger mitzunehmen, he?) schnappte und mit allen anderen nach draussen ging."

bisch min Held!

12:18 AM  

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